Mobile Events History

1991


1991 saß ich mit meinem damaligen Mitbewohner, Achim Voermanek, in der Küche, als eine Meldung durch die Medien ging. Sturm auf das "Weiße Haus" in Moskau.

Die Nachrichtenlage war beunruhigend, aber auch unergiebig. Gorbatschow schien durch einen Putsch akut gefährdet, Glasnost schien in ernsthafter Gefahr.

Aber was war an den ganzen Gerüchten wirklich dran?

Konnte Gorbatschow sich mit der Unterstützung der Moskauer Bevölkerung halten, oder würde das Militär die Macht übernehmen?


Achim brachte seinen MAC in die Küche, wählte sich per Modem in das Netz der Uni Saarbrücken ein, von dort aus ging es weiter ins "Glasnet", ein rein textbasiertes Mailboxsystem und wir wurden während einer langen Nacht in Echtzeit Zeugen der dramatischen - "Ich bin jetzt unter Beschuß geraten. Aber ich werde weiter schreiben, solange noch Blut durch meine Adern fließt"  - Vorgänge in Moskau.


Ich war angefixt - vier Jahre bevor der erste Netscape Browser das Licht der Welt erblickte.


1994


Achim hat fertig studiert und arbeit verbissen an seinen Bewerbungsunterlagen. Eines Abends präsentiert er mir mehr oder weniger stolz das Ergebnis und seinen Traumarbeitgeber. Mindestens ein Kilo Papier, darunter auch sein Funkerzeugnis von der Bundeswehr, sollen ihm als Blindbewerbung den Weg zu SAP ebnen.

Auf meinen Einwand, dass er doch einer der ersten Informationswissenschaftler Deutschlands wäre und dieser Stapel Papier doch ziemlich langweilig, konnte er nur mit Kopfnicken reagieren.


Eine Multimediabewerbung musste her. Als Trägermedium kam nur eine Diskette in Frage, was die Sache nicht gerade leichter machte. Nach zwei langen Nächten im CIP-Pool der Uni Saarbrücken hatten wir es geschafft, 30 Sekunden in annehmbarer Qualität auf eine Diskette zu pressen.

Begleitet von einem "Ta-ta" öffnet sich auf dem Screen eine gezeichnete Kinokulisse, ein Video von Achim erscheint auf der Leinwand, der sich dann noch 24 Sekunden mit ein paar Worten vorstellt und seinen Wunsch nach einem Job bei der SAP zum Ausdruck bringt.


Die Personalabteilung der SAP quittierte den Datenträger mit einem Anruf und einer Einladung zum Vorstellungsgespräch. Als Achim abend nach Hause kam, hatte er sein Video noch weitere 10 bis 15 mal gesehen. Beim obligatorischen Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen in Walldorf hatte der Personaler die Diskette dabei und schob sie in jedes Laufwerk, welches in der Nähe war.

Gerüchteweise war Achim auch später mal Gast auf der Jacht von Hasso Platner :-)


1996


Ein Bekannter von mir hatte eine Techno-Disco im saarländischen Völklingen eröffnet, die zone 13. In der Planungsphase hatte er mich gefragt, ob ich ihm ein Internetcafé einrichten könnte. Mit vier MACs enthielt die zone nach Fertigstellung eines der ersten saarländischen Internetcafés, alle vier Plätze waren mit Video-Cams ausgestattet, State-of-the-art war damals übrigens CuSeeMe, eine der ersten funktionierenden Videochatlösungen.


Womit ich nicht gerecht hatte, waren durchschlagender Erfolg und Akzeptanz des Projektes Internetcafé - bei gleichzeitiger Unkenntnis im Umgang mit den "Neuen Medien".


So wurde blitzartig der Job des Operators geboren, der an den Wochenenden den Internetbereich und seine Besucher betreute und meine Kenntnise über elektronische Musik explodierten förmlich.


Richtig spannend wurde es, als wir nach ein paar Monaten das Projekt "LIVE-DJ" umsetzen konnten. Wir speisten ein Audio und ein Videosignal ins Netz ein, die Fans der Zone konnten zu Hause lauschen, DJ Taucher und anderen bei der Arbeit zusehen und dabei mit Ihren Freunden innerhalb der zone, die an den MACs saßen, chatten.


Was heutzutage nur noch ein leichtes Gähnen erzeugen würde, war 1996 durchaus innovativ. Meines Wissens nach waren wir die ersten in ganz Europa, die eine solche Lösung andachten und mit den damals noch sehr beschränkten technischen Mitteln und Bandbreiten umsetzten.


1998


Als Vertriebsleiter einer saarländischen Softwarefirma zum ersten Mal nicht als Besucher auf der CEBIT in Hannover.

Mit Artemis präsentierten wir einen eigenen Browser, mit Andromeda ein eigenes Dokumentenmanagementsystem.

Die Software war gelinde gesagt ziemlich buggy, die CEBIT Messepartys berauschend.


to be continued...